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Ein Aufenthalt in einem Tempel kann psychische Beschwerden lindern. Allein die ruhige Atmosphäre kann eine Verbesserung bewirken, die sich mit dem Effekt mancher Psychopharmaka messen kann.
Indische und Schweizer Mediziner um Jayashree Ramakrishna vom National Institute of Mental Health and Neurosciences, Bangalore, untersuchte 31 Personen, die zwischen Juni und August 2000 in einem Tempel im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu Linderung ihrer psychiatrischen Probleme suchten.
Der Hindu-Tempel im Distrikt Dindugal wurde vor mehr als 60 Jahren über dem Grab eines wundersamen Einzelgängers errichtet, der örtlichen Legenden zufolge erstaunliche Heilkräfte besaß.

Bei 23 Besuchern diagnostizierten die Forscher paranoide Schizophrenie, Wahnvorstellungen und bipolare Störungen. Die Hilfesuchenden blieben im Schnitt etwa sechs Wochen, nahmen an dem täglichen Leben im Tempel teil und verrichteten tägliche Routinearbeiten wie Putzen oder Gärtnern.
Dabei wurden in dem Tempel nicht einmal spezielle Heilrituale durchgeführt, so die Forscher. Abgesehen von der dem Gebäude zugeschriebenen Heilkraft beruhe der positive Effekt offenbar auf dem vorübergehenden Aufenthalt in einer Umgebung ohne Herausforderungen oder Bedrohungen.
Mediziner müssten zumindest verstehen, welche Rolle solche Tempel für die lokale Bevölkerung spielten. Und vielleicht könnten Medizin und traditionelles Wissen sogar nutzbringende Allianzen eingehen.