Antarktis: Eisdecke wächst

Das antarktische Eisschild wird an einigen Stellen dicker, haben amerikanische Wissenschaftler mit Radarmessun- gen nachgewiesen.

Die Eisbildung in der Westantarktis übertreffe die über Gletscher ins Ross-Meer abfließende Menge, schreiben die Forscher im Magazin "Science". Die Eisforscher korrigieren mit ihren Ergebnissen ältere Messungen, denen zufolge die Eismassen in der Westantarktis langsam abschmelzen sollten.
Die Eisschicht der Westantarktis liegt mit ihrer gefrorenen Unterseite zum großen Teil direkt dem Meeresgrund auf. In einiger Entfernung vom Festland verliert sie jedoch den Bodenkontakt und beginnt zu schwimmen.
Diese Grenzlinie hat sich seit dem Höhepunkt der letzten Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren um 1.300 Kilometer landwärts bewegt, teils mit einer Geschwindigkeit von 120 Metern pro Jahr.

Doch nun fanden Ian Joughin vom California Institute of Tech- nology und Slaweck Tulaczyk von der University of California, Santa Cruz, dass sich die Gletscher der Westantarktis nicht länger zurückziehen.
Das Eisschild wachse inzwischen sogar um 26,8 Gigatonnen (Milliarden Tonnen) pro Jahr an, schreiben die Forscher. Noch vor wenigen Jahren hatten andere Wissenschaftler berechnet, die westantarktische Eisdecke schmelze um jährlich 20,9 Gigatonnen. Joughin und Tulaczyk untersuchten die Gletscher- entwicklung aber an deutlich mehr Messpunkten als ihre Kollegen und stellten so deren Ergebnisse auf den Kopf.



Für das neuerliche Anwachsen des westantarktischen Eisschil- des machen die Forscher nicht das Klima, sondern die innere Dynamik der Gletscherbewegung verantwortlich. Sie gehen da- von aus, dass sich Jahrtausende andauernde Abschmelzphasen mit Perioden der Eisneubildung abwechseln. Dies solle nicht als Entwarnung bezüglich des Treibhauseffekts verstanden werden.
Zwar bewirke die Klimaerwärmung vermutlich kein Abschmelzen des westantarktischen Eisschildes, so Joughin und Tulaczyk. Gefahr bestehe aber für das im Rossmeer treibende Schelfeis, das von den kalbenden Gletschern der Westantarktis genährt wird.
Diese könnten in Zukunft immer weniger Eis an das Meer abgeben, befürchten die Wissenschaftler. Deshalb drohe die schwimmenden Eisschicht auszudünnen und bei steigenden Temperaturen sogar vollständig abzuschmelzen.


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