Wissenschaftler beklagen rasante Artenrückgang

Mindestens 20 Millionen Tier- und Pflanzenarten bevölkern nach Schätzungen von Experten die Erde. Die meisten davon sind wissenschaftlich noch nicht beschrieben, und viele werden vor ihrem Aussterben nicht einmal entdeckt werden, fürchten Wissenschaftler.
Von Sabine Ränsch, dpa
Frankfurt/Main (dpa) - Forscher und Naturschützer beklagen einen rasanten Verlust der natürlichen Artenvielfalt. Täglich gingen viele Tier- und Pflanzenarten unwiederbringlich verloren, kritisierten Forscher am Montagabend zum Auftakt der «Woche der Biodiversität» im Senckenberg- Museum in Frankfurt am Main. Verantwortlich sei der Mensch mit seinem rücksichtslosen Raubbau an der Natur.
Rund sechs Milliarden Menschen leben derzeit auf der Erde. Eine gewaltige Zahl, die nach Erwartungen von Forschern schon bald auf acht oder neun Milliarden wachsen wird. Aber die Spezies Mensch ist nur eine von 1,8 Millionen Arten, die bisher wissenschaftlich beschrieben sind. Bekannt sind eine Million Insektenarten, darunter etwa 140.000 verschiedene Fliegen. Bei den Wirbeltieren sind 45.000 Arten bekannt, dazu zählt unter 4.000 anderen Säugetieren auch der Mensch.
«Seit Homo Sapiens auftritt, sorgt er für Artensterben», sagte der Biodiversitätsforscher Karl Eduard Linsenmair von der Universität Würzburg in einer Talk-Show, die der TV-Sender 3sat zur Sendung am Dienstagabend aufzeichnete. Mit Waffentechnik und überlegener Sozialstruktur habe der Mensch viele Beutetiere übermäßig genutzt und schließlich ausgerottet. Bis heute betreibe er Raubbau, vor allem in Entwicklungsländern. So seien die Philippinen noch vor 100 Jahren weitgehend bewaldet gewesen - heute seien gerade noch drei Prozent Wald übrig.



Wachstum und Ressourcenverbrauch entkoppeln
Katastrophal für die Artenvielfalt seien die vergangenen 30 Jahre gewesen, sagte Georg Schwede, Geschäftsführer der Umweltstiftung WWF. 30 Prozent der biologischen Vielfalt seien in dieser kurzen Zeit verloren gegangen. Schwede sieht den Grund aber nicht in den Entwicklungsländern: Immer größer sei der «ökologische Fußabdruck» der Bewohner der Industriestaaten geworden - damit meint Schwede die Fläche, die ein Mensch braucht, um seine Bedürfnisse zu befriedigen.
Dieser «Fußabdruck» sei in den USA zwölf Mal größer und in Europa immerhin noch sechs Mal größer als in Afrika. «Das hält die Welt nicht aus», sagte Schwede und forderte globales Umdenken. Wachstum müsse vom Ressourcenverbrauch entkoppelt werden.


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