(jkm) - Im Nordatlantik stammen zum Beispiel rund 40 Prozent der Lachse aus Fischfarmen. In der Ostsee sind es sogar mehr als 90 Prozent.
Die Fische sind speziell für Farmen gezüchtet worden und verfügen über eine veränderte genetische Ausstattung. Unter anderem werden sie durch manipulierte Wachstumshormone wesentlich größer als wilde Lachse. Die Forscher erwarten daher einen ungleich größeren Evolutionsdruck von genveränderten Lachsen.
Nordamerikanische Küstenfische werden zudem durch importierte Arten aus Asien verdrängt. So wurden etwa in den siebziger Jahren Schwarzkarpfen aus Asien als "biologische Waffe" in das Mississippi-Becken eingeführt. Sie sollten dort Saugwürmer bekämpfen, die an den Fischen in den Farmen schmarotzen. Mittlerweile haben sich die Schwarzkarpfen im ganzen Becken ausgebreitet. Da sie auch Muscheln fressen, sind die Frischwasser-Muscheln inzwischen die am stärksten gefährdete Tierart in Nordamerika.
Ähnliche Gefahren gehen auch von Muschelfarmen aus. Mit dem exotischen Getier kamen auch bisher unbekannte Parasiten und Krankheitserreger in die USA. So wurde durch die Japan-Auster auch ein Bohrwurm eingeschleppt. Eine aus Asien mitgebrachte Algenart gilt mittlerweile als "Auster-Dieb", da sie Austernbecken überwuchert und erstickt.
In den USA bestehen bisher nur sehr wenige staatliche Kontrollen über die Fischfarmen. Dies liegt nach Ansicht der Forscher zum einen an einer unklaren Kompetenzverteilung zwischen den Bundesstaaten und den nationalen Behörden.
Zum anderen sind auch nur wenige Gesetze in Kraft, die die Einfuhr fremder Tierarten regeln. So erlaubt paradoxerweise der Bundestaat Maine die Verwendung von fremdem Genmaterial für Zuchtlachse, verbietet aber die Einfuhr lebender Lachse, die nicht aus dem Nordatlantik stammen. In Deutschland dagegen ist nach Auskunft des Bundesmarktverbandes der Fischwirtschaft noch kein gentechnisch veränderter Fisch zugelassen.
Die Wissenschaftler erwarten einen sich zuspitzenden Über- lebenskampf der einheimischen Meerestiere. Sie rechnen damit, dass bis zum Jahr 2025 die industrielle Fischhaltung in den USA auf das Fünffache wächst. Schon heute stammt weltweit etwa ein Drittel der Fische und Meeresfrüchte aus industrieller Haltung.