Südafrikanische Elefanten, die als Vorhut bei der Schaffung eines grenzüberschreitenden neuen Nationalparks nach Mosambik umgesiedelt worden waren, plagt die Sehnsucht nach der alten Heimat.
Von Ralf E. Krüger, dpa
Orpen (dpa) - Sie haben dicke Haut und einen schweren Tritt, wedelnde Ohren - und offensichtlich großes Heimweh. Nachdem die südafrikanischen Elefanten erst vor wenigen Wochen auf- wendig vom Krüger-Nationalpark in ein angrenzendes Schutzge- biet in Mosambik befördert worden waren, kommen sie nun wieder zurück.
«Wir haben Hinweise, dass sich etwa die Hälfte der nach Mosambik geschafften 40 Elefanten wieder in der Nähe der Grenze aufhält», sagt Irma Engelbrecht vom beteiligten Peace Park Board. Das sprichwörtliche Langzeitgedächtnis der Dickhäuter scheint bei der geplanten weltweit einmaligen Umsiedlung von insgesamt 1000 Elefanten nicht recht zu funktionieren.
Genau darauf hatten Tierschützer aber gesetzt, um einer der ehrgeizigsten multinationalen Naturschutz- und Ökotourismus-Aktionen Afrikas zum Erfolg zu verhelfen. Denn Anfang vergangenen Jahrhunderts, als es noch keine Grenzzäune zwischen Südafrika und Mosambik gab, hatten Elefanten in der Region ihre angestammten Wanderwege. «Doch das Wissen darum ist seit fast hundert Jahren unterbrochen», meint die deutsche Großwild-Veterinärin Sybille Quandt. Die in Südafrika tätige Tierärztin ist der Ansicht, dass es wahrscheinlich Elefanten-Bullen sind, die es zurück nach Südafrika zieht. «Bullen haben oft das Bestreben, in bekanntes Gebiet zurückzukehren.»
Die Umsiedlung der ersten 40 Elefanten stellte den Auftakt für die Schaffung einer Art Super-Krüger-Nationalpark dar, in dem Südafrikas Wildtier-Mekka um angrenzende Gebiete in Mosambik und Simbabwe ergänzt wird. Inklusive angrenzender Schutzge- biete soll der neue Park einmal so groß wie Portugal werden.
Zur Zeit ist die «Jumbo-Aktion» unterbrochen, weil das heiße, regnerische Wetter keinen gefahrlosen Transport der Tiere zulässt. Zwar gibt es Überlegungen, ob man die Lastzeppeline der deutschen Cargolifter in die Aktion einspannen kann, doch spruchreif ist das nicht. Die tonnenschweren Dickhäuter dürften im kommenden Jahr daher wieder nach Betäubung, Impfung und Vermessung per Tieflader ihre Reise antreten. Sie werden sicher auf bessere Rahmenbedingungen treffen als ihre Vorgänger in diesem Jahr.
Die ersten Ranger aus Mosambik drücken bereits die Schulbank im Wildlife-College von Orpen. Dort, nahe dem Krüger-National- park, wurde 1996 mit deutschem Geld und dem Know-How der Umweltexperten des World Wildlife Fund (WWF) eine einzigartige Ausbildungsstätte für das gesamte südliche Afrika geschaffen. «Wildhütern, die in der Praxis bereits langjährige Erfahrung haben, wird hier der theoretische Unterbau für künftige Management-Aufgaben vermittelt; gerade im neu geschaffenen Limpopo-Nationalpark wird das besonders wichtig sein», sagt die Sprecherin von WWF Südafrika, Ronel Beukes.