Schlaue Schlangen: Wärmendes Liebesknäuel

Verlassen Strumpfbandnattern nach der Winterruhe ihren Bau, sind sie noch kalt und unbeweglich. Einige der Tiere beherrschen jedoch einen ganz besonderen Trick gegen diese Kälte.
(jkm) - Wie australische und amerikanische Biologen herausfanden, imitieren manche Männchen den Duft von paarungsbereiten Weibchen und lassen sich von Scharen liebestoller Männchen aufwärmen.
Bei mehreren Tierarten ahmen Männchen das Aussehen oder den Duft von Weibchen nach. Auf diese Weise stehlen sie Samen von Konkurrenten oder gehen Attacken durch stärkere Rivalen aus dem Weg. "Unsere Untersuchungen an Schlangen werfen noch eine andere Erklärungsmöglichkeit auf", schreiben die Forscher um Robert Shine von der University of Sydney in "Nature".


Das Team berichtet von "Paarungsballen", in denen sich über 100 männliche Strumpfbandnattern um wenige - echte oder ver- meintliche - Weibchen bemühen. In solchen Ballen seien durch- schnittlich 60 Prozent der Körperoberfläche eines betrügerischen Männchens bedeckt, während es bei den übrigen Männchen nur 25 Prozent seien. Daher glauben die Forscher, dass der Betrug dazu dient, sich von anderen Männchen aufwärmen zu lassen.
Experimente bestätigten, dass die Tiere durch das Liebeswerben ihrer Geschlechtsgenossen tatsächlich schneller auf Betriebs- temperatur kamen. Und je schneller die Kälte von ihnen abfiel, umso eher stoppten sie auch die Produktion der weiblichen Pheromone.
Shine und seine Kollegen erwägen, der vorübergehende "Geschlechtswechsel" bringe noch einen weiteren Vorteil mit sich. Die gerade erst erwachten Schlangen seien nämlich eine beliebte Beute für hungrige Krähen. Und da könne es nur von Vorteil sein, sich von liebeshungrigen Geschlechtsgenossen verstecken zu lassen.


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