Weniger Dünger auf Äckern:

Die Bauern und Gärtner in Deutschland haben in den ver- gangenen Jahren deutlich weniger Dünger verbraucht als zuvor. Naturschützer fordern jedoch eine weitere Senkung.
Wiesbaden/Berlin (dpa) - Allein zwischen den Wirtschaftsjahren 1999/2000 und 2000/2001 sank der Einsatz von Stickstoff nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden um 8 Prozent. Der Verkauf von Phosphat sei um 16 Prozent zurück gegangen.Naturschützern ist dies jedoch nicht genug: In der Landwirt- schaft würden immer noch zu viel Pflanzenschutzmittel, Gülle und Dünger eingesetzt, sagte der Bundesgeschäftsführer des Naturschutzbundes (Nabu), Gerd Billen, am Mittwoch in Berlin und forderte eine «Entgiftungskur» für Äcker. Für Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) sei es Zeit, «sich nicht nur in den Ställen, sondern auch auf Äckern und Wiesen umzusehen», meinte der Umweltexperte. Der Nabu forderte von Künast ein Reduktionsprogramm für Pflanzenschutzmittel. In zehn Jahren müsse die Menge halbiert werden. Pestizide seien eine Gefahr für die Gesundheit, da sie sich in Lebensmitteln ablagerten.


Dünger sei so billig, dass ein jährlicher Stickstoffüberschuss pro Hektar von mehr als 100 Kilogramm verzeichnet werde. Gülle sei vor allem in Regionen mit intensiver Viehhaltung eine Form der «Abfallbeseitigung», die mit erheblichen Belastungen für das Grundwasser verbunden sei. Deshalb müssten die Viehbestände abgebaut und die Viehdichte an die Fläche gebunden werden.
Der Deutsche Bauernverband (DBV/Bonn) bezeichnete die Nabu- Forderungen als «Polemik ohne Sachverstand». Der Aufwand an Pflanzenschutzmitteln ginge seit den 80er Jahren kontinuierlich zurück, sagte DBV-Sprecher Michael Lohse. Das «Düngemanage- ment» habe sich stark verbessert. Dank moderner Bodenanalysen würden Pflanzen inzwischen viel gezielter und sparsamer gedüngt.
Der Industrieverband Agrar wandte sich gegen ein staatliches Reduktionsprogramm. «Innovationen kann der Staat zwar fördern, aber nicht verordnen», teilte der Zusammenschluss von Unternehmen der agrarchemischen und agrarbiologischen Industrie in Frankfurt/Main mit.
Im aktuellen Wirtschaftsjahr wurden laut Statistischem Bundesamt pro Hektar 108 Kilo Stickstoff, 21 Kilo Phosphat, 32 Kilo Kali und 117 Kilo Kalk eingesetzt. Insgesamt wurden im Jahr 2000/2001 1,85 Millionen Tonnen Stickstoffdünger, 0,35 Millionen Tonnen Phosphatdünger, 0,54 Millionen Tonnen Kalidünger und 2,17 Millionen Tonnen Kalkdünger verkauft. Damit sank der Einsatz von Kali um 9, der von Kalk um 13 Prozent.


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