Längst hat Deutschland die Nase vorn. In Relation zur Einwohnerzahl gibt es bei uns fast zweimal so viele Ärzte, die Akupunktur anwenden, wie in China. Im Hoffen auf das Heilen durch Nadelstiche lassen sich pro Jahr rund 1,5 Millionen Deutsche pieksen. Die chinesische Heilkunst boomt. Anstelle auf die Schulmedizin zu setzen, verlassen sich immer mehr Menschen auf die traditionellen Methoden des fernöstlichen Volkes. Nun haben Mediziner in Berlin auf den Trend reagiert: „TCM“ – „Traditionelle chinesische Medizin“, lautet die neue Professur an der Charite.
Dennoch bleibt die Anwendung chinesischer Heilkunst umstritten. Bis dato ranken sich zahlreiche Mythen um die Möglichkeiten der Verfahren. Sind Dämonenheilkunde und Moxibustion nur abergläubische Spielchen oder wirken die teilweise befremdlich anmutenden Behandlungsformen wirklich ? Eine Einschätzung ist schwierig.
Denn neben fachkundigern Medizinern bieten gerade Scharlatane oft die immer noch als alternativ angesehenen Verfahren an. Über eine entsprechende ärztliche Ausbildung der in Deutschland praktizierenden Akupunktur-Anbieter verfügen weit weniger als die Hälfte. Zudem existieren kaum Studien, die eine Kombinierbarkeit mit neuen Methoden wie der Laserakupunktur belegen.
Das erschwert eine seriöse Erhebung eventueller gesundheitsfördernder Wirkungen. Die unüberlegte Vermengung der chinesischen Traditionsverfahren mit dubiosen Heilmethoden wie der Homöotherapie, macht es den Patienten oft unmöglich zu unterscheiden, ob sie sich gerade von einem professionellen Mediziner oder einem Quacksalber behandeln lassen. Ob sich die chinesische Heilkunst bei uns etablieren wird, bleibt daher ungewiss.