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Ein Umdenken der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei der Eindämmung der Tuberkulose fordert anlässlich des Welt-Tuberkulose-Tages die internationale Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ (ÄoG).
Jedes Jahr sterben fast zwei Millionen Menschen an Tuberkulose (TB), neun Millionen erkranken daran. Die üblich verwendeten Medikamente verlieren ihre Wirksamkeit. „Die derzeitige Antwort der WHO auf die Tuberkulose-Katastrophe ist Flickwerk“, kritisiert Jean Hervé Bradol, Präsident der französischen Sektion von Ärzte ohne Grenzen.
Rund 99 Prozent aller Todesfälle durch TB weltweit sind in ärmeren Ländern zu verzeichnen. Der Test, mit dem die Krankheit in diesen Ländern diagnostiziert wird, sei 124 Jahre alt und ermittele die Bakterien nur in etwa der Hälfte der Fälle. Noch weniger effektiv sei der Test bei Menschen, die gleichzeitig HIV-positiv sind. 30 Prozent der weltweit rund 40 Millionen HIV-Infizierten leiden an einer Ko-Infektion mit Tuberkulose.
Die gängigen TB-Medikamente sind 40 Jahre alt und älter. Sie müssen nach WHO-Empfehlung über einen Zeitraum von sechs bis acht Monaten regelmäßig unter Kontrolle eingenommen werden. Diese Therapie zeige aber nur wenig Erfolg bei Patienten, die gleichzeitig mit HIV infiziert sind. Zudem sind die Erreger oft nicht mehr empfindlich gegen die gängigen Medikamente. Dann sind teure Substanzen nötig, zu denen nur ein kleiner Teil der Erkrankten Zugang habe. Derzeit leiden laut ÄoG rund zwei Millionen Menschen an multiresistenter Tuberkulose, jährlich gibt es eine halbe Million Neuinfektionen.
Weitere Kritik: Die WHO empfehle, geprüfte Medikamente einzusetzen, stelle aber keine ausreichenden Mittel zur Verfügung. „In den meisten Ländern, in denen wir arbeiten, werden daher von den nationalen Tuberkulose-Programmen Medikamente verwendet, die nicht von der WHO geprüft wurden“, sagte Sophie-Marie Scouflaire, Pharmazeutin von Ärzte ohne Grenzen.