Jedes Kind bei Verdacht auf Influenza testen
Jedes Kind, das jetzt plötzlich Grippesymptome wie hohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen bekommt, sollte auf Influenza getestet werden. Bei Nachweis sollte spezifisch, etwa mit Neuraminidase-Hemmern, behandelt werden. Wichtig ist auch, gezielt nach Kontaktpersonen zu fragen.Hat dieser Junge nur eine Erkältung oder eine echte Grippe?
Kinder und Jugendliche sind die wichtigsten Mediatoren von Grippe-Viren.
Da wir aber im Augenblick noch keinen Grippe-Peak haben, können wir bei Kindern mit grippeartigen Symptomen klinisch nicht mit hoher Sicherheit sagen, ob sie wirklich eine Grippe haben," sagt Professor Heino Skopnik, Leiter der Kinderklinik des Stadtkrankenhauses in Worms.
Deshalb sollte bei Verdacht auf Influenza ein Schnelltest gemacht werden, also bei typischen Symptomen wie plötzlichem Krankheitsbeginn, hohem Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, so Skopnik.
Bei positivem Befund sollten die Kinder sofort gezielt gegen Influenza behandelt werden, etwa mit einem Neuraminidase-Hemmer. Ganz wichtig für Skopnik: Die behandelnden Kollegen sollten nach den Kontaktpersonen fragen.
Haben die keinen Impfschutz, sollten sie bei grippeartigen Symptomen ebenfalls behandelt werden. Das ist besonders wichtig bei Menschen mit hohem Risiko, etwa wegen einer chronischen Krankheit.
Wann kann auf einen Schnelltest verzichtet werden?
"Wenn lokal Influenza ausgebrochen ist, also beim vierten Kind einer Klasse Grippe festgestellt wird, dann brauchen die nächsten Kinder aus der Klasse mit Grippesymptomen nicht getestet werden", so Skopnik.
Die wichtigste Säule bei der Grippebekämpfung ist aber außer der Therapie die Prävention: "Eigentlich sollten alle Kinder geimpft sein!"
Oft wird vergessen, wie schlimm Influenza ist
Die Influenza ist, was immer wieder verdrängt wird, keine harmlose Erkrankung, sondern eine sehr schlimme und schwere. Jedes Jahr sterben viele Menschen an Influenza; die Grippesaison 2002/2003 zum Beispiel war eine der schwersten seit langem.
Allein in Deutschland starben, vor allem im Februar und März, etwa 16 000 Menschen an den Folgen der echten Virusgrippe. Das sind doppelt so viele wie in den Jahren zuvor.
Viele Menschen müßten aber nicht sterben, wenn es höhere Impfraten gäbe.
Darüber sind sich Spezialisten einig. Und da bekannt ist, daß besonders Kinder und Jugendliche Mediatoren der Viren sind, sollten eigentlich auch sie geimpft sein.
In Japan wurde etwa festgestellt, daß die Übersterblichkeit in der Grippesaison dann abnahm, wenn viele Kinder geimpft waren.
In Deutschland wird eine Impfung allerdings bislang nur für Kinder und Jugendliche mit chronischen Krankheiten empfohlen, bei Epidemien, oder wenn solche drohen.
Eine andere Möglichkeit, Grippe einzudämmen, ist eine rasche Therapie nach früher Diagnose mit Schnelltests.
Die kosten allerdings über 20 Euro und werden von den Kassen nur zum Teil bezahlt.
Zweifel an Impfstoff unberechtigt
"Die Grippe-Impfung ist weiter ohne Vorbehalte zu empfehlen", sagt Dr. Michael Pfleiderer vom Paul-Ehrlich-Institut in Langen. Die jetzt von US-Forschern geäußerten Zweifel an der Wirksamkeit der Vakzine seien nach wissenschaftlichen Kriterien nicht haltbar, so Pfleiderer.
Die US-Forscher hatten 3100 Mitarbeiter einer Klinik in Denver im US-Staat Colorado anonym per Fragebogen befragt, ob sie sich in dieser Saison gegen Grippe haben impfen lassen und ob sie dann im November/Dezember eine grippe-ähnliche Erkrankung (Fieber plus Husten oder Halsweh) hatten.
Etwa 1880 beantworteten die Fragen, 1424 waren geimpft.
Im Vergleich zu den Ungeimpften ergab sich bei den Geimpften nur eine geringfügig verminderte Erkrankungsrate.
Hauptschwachstelle der Untersuchung ist, daß bei den Patienten keine Erreger-Analysen vorgenommen worden sind, sagte Pfleiderer. Die registrierten grippe-ähnlichen Erkrankungen können nämlich durch viele andere Erreger von respiratorischen Erkrankungen und nicht durch das Influenzavirus verursacht worden sein.
"Ohne die Kenntnis des Erregers kann ich aber die Wirksamkeit des besten Impfstoffs auf null heruntertesten", sagte Pfleiderer.
Nach seinen Angaben gibt es aus Europa keine Meldungen über Impfversager der Grippe-Impfung.
Auch die Wirksamkeit gegen den zirkulierenden Fujian-Stamm - der in der aktuellen Vakzine nicht enthalten ist - sei prinzipiell belegt.
So hätten in Tests Antikörper gegen das Impfstoff-Panamavirus auch das Fujian-Virus gut erkannt.
"Die Grippe-Impfung ist weiter ohne Vorbehalte zu
Nach Studienergebnissen schützen Grippe-Vakzinen je nach Alter und Immunstatus 50 bis 80 Prozent der Impflinge vor einer Influenza. Sie schützen jedoch nicht gegen die vielen anderen Erreger von Erkältungskrankheiten wie Rhinoviren oder Parainfluenzaviren.
Bekommen also Menschen trotz Influenza-Impfung fiebrige Erkältungskrankheiten, dann läßt sich das selbstverständlich nicht als Impfversagen definieren. US-Forscher jedoch haben genau das getan. Es ist daher unverständlich, daß der Bericht der Forscher in dem von den US-Behörden CDC herausgegebenen "Morbidity and Mortality Weekly Report" erscheinen konnte.
Wenn auch die Zweifel an der Wirksamkeit der Influenza-Vakzine unberechtigt sind, so entscheiden jedoch einige Dinge wesentlich über den Schutz. So ist es sehr wichtig, daß Patienten jedes Jahr geimpft werden. Das häufige Wiederholen führt zu Auffrisch-Effekten, die die Schutzwirkung weiter erhöhen.
Auch schützen die Vakzinen umso besser, je besser die aktuell zirkulierenden Grippeviren durch die Impfstämme abgedeckt werden.
Probleme bereiten dabei die langen Produktionszeiten konventioneller Grippe-Vakzinen.
Damit sie pünktlich fertig sind, muß ein halbes Jahr vor der Grippesaison über ihre Zusammensetzung entschieden werden. Abhilfe könnten künftig schneller herstellbare Zellkultur-Impfstoffe bieten, die bald auf den Markt kommen sollen.